Ferdinand Laeisz
 

Uebersetzt von Frau Edith Mehrckens.

Roberto Benavente, Rear-Admiral
President - Brotherhood of the Captains of Cape Horn - Chilean Section
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FERDINAND LAEISZ (1801 - 1887) FERDINAND LAEISZ (1801 – 1887)
Kurzer Bericht über das Leben vom Gründer der "P-Line"

Ferdinand Laeisz war einer der zehn Kinder des deutschen Kaufmannes Johann Hartwig Laeisz. Er ist wurde 1801 in Hamburg geboren. Schon sehr jung zeigte er Neigung zum Seemannsleben und schiffte sich auf dem Schoner ELISABETH ein. Diese Erfahrung war jedoch von kurzer Dauer, da das Schiff eine Havarie erlitt, und er an Land gehen musste.

Im Jahre 1821 bekam er eine Arbeitsstelle in einer Zylinderhutfabrik, Hüte die damals sehr in Mode waren, in Berlin. Zwei Jahre später gründete er seine eigene Fabrik, die so grossen Erfolg hatte, dass er es wagte, 1825 Ware nach Südamerika zu exportieren.

Als er 25 Jahre alt war, heiratete er Frl. Kreutzburg, die ihm seinen einzigen Sohn Carl schenkte.

1830 sandte er drei seiner Mitarbeiter mit dem Segler PRINCESS LOUISE nach Valparaiso in Chile, um eine Niederlassung seines Betriebes zu gründen. Zwei Jahre später eröffnete er eine Filiale in Lima, Perú, der schnell Betriebe in Ecuador und auf den Philippinen folgten. Diese erfolgreichen Unternehmungen veranlassten ihn, Baumwolle und Zucker nach Europa zu importieren.

1839 lässt er eine 200 BRT grosse Barkentine aus Holz in der Werft in Lübeck bauen. Zu Ehren seines Sohnes lässt er sie CARL taufen. Mit 38 Jahren wurde er Reeder.

Im Jahre 1852 nahm er seinen 24 – jährigen Sohn als Mitglied in seinem Unternehmen auf. Zusammen entschieden sie, der Reederei neue Impulse zu geben, indem sie den Schoner SOPHIE UND FREDERIKE und die Barkentine ADOLF kauften. Danach lassen sie 1857 eine 485 BRT grosse Bark auf der Werft Stülcken in Hamburg bauen und tauften sie PUDEL, Kosename der jungen Frau von Carl, die wegen ihrer lockigen Haare so genannt wurde. Diese Bark veranlasste zu einer eigenartigen Tradition: Von nun an wurden alle Laeisz-Schiffe mit einem Namen, der den Anfangsbuchstaben "P" hatte, getauft. 

Die Schiffe der Reederei wurden wegen ihrer Schnelligkeit in internationalen Seekreisen voller Achtung die "Fliying P-Line" genannt. Sogar noch nach dem 1. und 2. Weltkrieg. Von den 84 Segelschiffen bekamen 76, sowie alle 90 Dampfer und Motorschiffe einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben "P".

Die Segelschiffe der "P-Line" waren in Chile gut bekannt, da 70 davon dem Salpeterhandel dienten und um das Kap Hoorn fuhren. Das erste deutsche Segelschiff lief 1862 Valparaíso an. Namen der Schiffe, die eine möglichst enge Verbindung zu Chile hatten, waren: PAMPA, PAPOSO, PATAGONIA, PATRIA, PERA, PISAGUA, PLACILLA und PONCHO.

PRIWALLDie Viermastbark PRIWALL, die anfangs des 2. Weltkrieges förmlich an Chile verkauft wurde, ist für uns Chilenen der berühmteste Segler, der auf LAUTARO umgetauft wurde, und dessen trauriges Schicksal hier schmerzlich erinnert wird.

Ferdinand Laeisz widmete seine Kraft dem Schiffahrtsunternehmen, wo er sich durch seine Beteiligung an der Gründung der HAPAG, und 1872 der KOSMOS und 1881 der HANSA, auszeichnete. Seine Schiffe pflegten den Handel mit Indien, Afrika, Australien und dem Orient. Ausserdem bereisten sie die Handelsrouten im Pazifik, die notwendigerweise an Chile vorbeiführten.

Dem Handel mit dem Ausland und dem Transport auf Seewegen kam dann noch die Gründung mehrerer Versicherungsgesellschaften kurz vor seinem Tode im Jahre 1881 dazu.

Dieser kurze Tätigkeitsbericht zeigt uns das Leben eines jungen Deutschen, der mit Fleiss und Beständigkeit die grösste Segelschiffahrtsflotte der Welt schuf und die leitende Kraft des chilenischen Aufschwungs auf See im XIX. Jahrhundert wurde, eine Zeit, in der Handelsschiffe-beladen mit Salpeter und anderen Gütern-das Kap Hoorn umrundeten und die Tapferkeit der Seeleute bewiesen, die es wagten in diesen stürmischen Gewässern zu fahren, um den internationalen Handel zu ermöglichen.